11111 Residenzschloss Ludwigsburg Marmorsaletta - Erfassung und Dokumentation einer Raumachse - KONSERVIERUNG UND RESTAURIERUNG VON WANDMALEREI, ARCHITEKTUROBERFLÄCHE UND STEINPOLYCHROMIE

Residenzschloss Ludwigsburg Marmorsaletta – Erfassung und Dokumentation einer Raumachse

(Lidia Gugliuzza)

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wurde in der Marmorsaletta im Schloss Ludwigsburg eine Wandachse mit dazugehörigem Deckenabschnitt untersucht. Dabei wurde vorrangig der Bestand erfasst, Zustände und Schäden wurden aufgenommen, aber nicht weiter untersucht. Die Bestandserfassung befasst sich in der Hauptsache mit den sichtbaren Phänomenen und Befunden.

Die Wandgestaltung ist eine barocke Stuckmarmorarbeit aus dem frühen 18. Jahrhundert. Bei der Untersuchung des Stuckmarmors konnten Erkenntnisse zum werktechnischen Aufbau und zu verschiedenen Überarbeitungen gewonnen werden.

Der Stuckmarmor zeigt eine große Vielfalt an Farben, Texturen und Werktechniken: Es gibt Knöllchen, Äderungen, Faltungen, eingesetzte Stuckmarmorbrocken und Marienglas sowie Scagliolaarbeiten. Das Stuckmarmorgefüge wurde anhand eines Quer- und eines Dünnschliffs analysiert. Es handelt es sich noch um die ursprünglichen Stuckmarmormassen, allerdings sind in stark exponierten Bereichen, zum Beispiel in der Sockelzone, Kittungen zu finden. Die Oberflächen wurden im Zuge mehrfacher Überarbeitungen wiederholt abgeschliffen, ausgestuckt und neu aufpoliert. Außerdem wurde mindestens ein wachshaltiger Überzug identifiziert.

Abb. 1 Anischt der Wandachse

Abb. 2 Schematischer Aufbau der Stuckmarmorarbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An der Decke wurde ebenfalls ein sehr reichhaltiger Bestand dokumentiert. Dort wurden das Kartuschengemälde, die Rücklagen, die vergoldete und mit Bronze versehene Rahmenzier sowie der weiße und gefasste Stuck untersucht.

Abb. 3 Übersicht über den Deckenausschnitt

Im Kartuschengemälde und der Rücklage wurde der maltechnische Aufbau makroskopisch und am Querschliff analysiert. Der weiße Stuck wurde ebenfalls auf Werktechnik und Überarbeitungen untersucht, wobei nicht alle Fragen zu späteren Anstrichen geklärt werden konnten. Auf dem restlichen Stuck befinden sich zum größten Teil Lüsterfassungen, die Rahmenzier und das Bandelwerk ausgenommen. Als Blattmetalle wurden Gold, eine Kupferlegierung (Bronze) und Silber identifiziert, wobei es sich dabei möglicherweise um Legierungen der Metalle handeln kann. Die Identifikation erfolgte lediglich anhand der Beurteilung der Farberscheinung des Metalls und der Korrosionsprodukte.

Die Vergoldungen und Bronzeauflagen der Rahmenzier und des Bandelwerks weisen viele überarbeitete Stellen auf. Fast alle Metallauflagen befinden sich direkt auf dem Träger und wurden abschließend mit einem Überzug versehen. Die Anzahl der Schichten variiert zwischen vier und bis zu elf, je nach Fassung und Anzahl der Überarbeitungen.

Abb. 4 Stuckblatt mit neuer Vergoldung

Abb. 5 Vergoldung Probe 0016 50x im Auflicht, Hellfeld

 

 

 

 

 

 

 

An Wand und Decke befinden sich Schmutzauflagen, die sich besonders in den Hinterschneidungen der Stuckplastiken angesammelt haben. Alterungsbedingte Veränderungen an der Wand zeigen sich unter anderem im Blumenbouquet, dessen Pigmentierung verblasst ist und am Überzug, der unterschiedlich starke Vergilbungsgrade aufweist. An der Decke wurden Farbveränderungen in den Lüsterfassungen, eine korrosionsbedingte Patinierung der Metallauflagen sowie kraquelierte Malschicht im Kartuschenbild festgestellt.

Bei den Schäden handelt es sich um vereinzelte Malschichtschäden im Kartuschengemälde und der Lüsterfassung. Außerdem zeigen sich Risse und Hohlstellen an Wand und Decke. Die Schadensursachen wurden im Rahmen dieser Arbeit nicht untersucht. Ein Monitoring der Decke zeigte keinen fortschreitenden Prozess auf, weshalb der Zustand als stabil eingeschätzt wird.

Abb. 6 Zustands- und Schadenskartierung des Deckenausschnitts