11111 Profil des Studiengangs - KONSERVIERUNG UND RESTAURIERUNG VON WANDMALEREI, ARCHITEKTUROBERFLÄCHE UND STEINPOLYCHROMIE

Profil des Studiengangs

mind on – hands on

Das Berufsbild des Restaurators ist gerade heute sich wandelnden, breitgefächerten Anforderungen unterworfen. Um diesen gerecht zu werden, bedarf es einerseits einer fundierten Grundausbildung und anderseits einer weiterführenden Qualifikation in Bezug auf die neuen Herausforderungen. Der Bologna-Prozess wurde auf Basis der langjährigen Erfahrungen in der Lehre in Stuttgart dahingehend konsequent gestaltet, dass das Restaurierungsstudium als fünfjährige Ausbildungseinheit bestehen blieb.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde der konsekutive Bachelor- und Masterstudiengang so aufeinander abgestimmt, dass bei dem fünfjährigen Studium die individuellen Chancen auf dem Arbeitsmarkt bereits im Studium gezielt gefördert werden können. Diese individuelle Förderung lässt sich – ebenso wie die gezielte Gruppenarbeit – durch das exzellente, für die Studierenden außerordentlich günstige Betreuungsverhältnis auf hohem Niveau realisieren. In beiden Studienabschnitten steht unter gewissenhafter Betreuung die Arbeit am Objekt und an konkreten Aufgaben aus der Praxis im Vordergrund. Hierbei wird darauf geachtet, dass während des Studiums verschiedene Objektgruppen und unterschiedliche Problemstellungen bewältigt werden. Der Kontakt zu den Objekteigentümern wird hierbei ebenso eingeübt wie die Präsentation von Arbeitsergebnissen bei Baubesprechungen.

Es wird darauf geachtet, dass sowohl eine gesamtheitliche als auch eine detaillierte Betrachtungsweise von Objekten erzielt wird. Dies spiegelt sich auch an dem geförderten Zugang zu den naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden im Studiengang wider.

Besonders moderne Kunstwerke und Objekte im Bereich Wandmalerei, Architekturoberfläche und Steinpolychromie stellen neue Herausforderungen für die Zukunft dar. Diese werden gezielt durch Projektarbeiten weiter vertieft und erforscht. Hierzu zählen z.B. Werke der ehemaligen Professoren der Akademie wie Adolf Hölzel, Rudolf Yelin d. J. und des mit Stuttgart verbunden Künstlers Otto Herbert Hajek. Ein wichtiger Bereich –  mit viel Forschungspotential –  ist weiter der Schwerpunkt Steinpolychromie, welcher im weiteren Sinne als Fassung auf dreidimensionalen anorganischen Trägermaterialien –  wie Stein, Stuck und Beton – begriffen wird.

Lehrmethoden
Das Studium ist im weitesten Sinne als Projektstudium angelegt. Das bedeutet, dass Methoden, Verfahren und Techniken an konkreten Projekten in einem ganzheitlichen Zusammenhang entwickelt, durchgeführt und abgeschlossen werden können.
Während des Studienverlaufes finden – in der Regel bereits im BA-Studium – Theorievorlesungen statt, die sich allgemein mit Fragen der Konservierung und Restaurierung sowie mit naturwissenschaftlichen Belangen beschäftigen oder sich intensivierend auf spezifische Problemfelder beziehen. Die praktischen Arbeiten können je nach Objekt sowohl im Atelier als auch direkt vor Ort stattfinden. Den unterschiedlichen Lehrinhalten entsprechen unterschiedliche Lehrmethoden wie Projektarbeiten, Übungen, Seminare und Vorlesungen. Kunsttechnologische und konservierungstechnische Inhalte aus den Vorlesungen werden gezielt in praktischen Übungen (Wandmalereiübungen, Stuckkurs, Vergolderkurs, Herstellung und Verarbeitung von anorganischen Bindemitteln in Freilandmuseum Bad Windsheim) vertieft.

Das zweijährige Masterstudium ist als anschließende Vertiefung und Spezialisierung nach dem Bachelorstudium ausgelegt, mit dem Ziel der selbstverantwortlichen und eigenständigen Arbeit in verschiedenen Bereichen der Restaurierung. Neben den fachspezifischen Lehrangeboten im Studiengang besteht die Möglichkeit, fächerübergreifende Angebote zusammen mit Teilnehmern der anderen Restaurierungsstudiengängen zu belegen, was durch ein breit gefächertes Modulangebot realisiert wird. Die Masterarbeit im 4. Semester bildet den Abschluss des Studiums und kann auf die persönliche Profilbildung in der Regel abgestimmt werden. Die Studienordnung ermöglicht es, dass die Masterarbeit sowohl im praktischen als auch im theoretischen Bereich der Konservierungswissenschaften angesiedelt sein kann. Regionalspezifische Wünsche der Studierenden werden hierbei so gut wie möglich berücksichtigt, um ihnen den Start ins Berufsleben zu erleichtern.

Der Studiengang verfügt über eine umfangreiche Lehrsammlung an Gesteinen, Mörteln, Pigmenten und Bindemitteln. Die fachspezifische Sammlung zu Wandmalerei und Mosaik von Kurt Wehlte wird durch die allgemeine kunsttechnologische Sammlung der Restaurierungsstudiengänge abgerundet, welche im ständigen Ausbau begriffen ist.

Eines der größten Anliegen des Studiengangs ist die Studierbarkeit des Faches. Bei den vielen Lehrinhalten wird darauf geachtet, dass genügend Zeit zum Selbststudium vorhanden ist, damit die persönlichen Interessen herausgefunden und entwickelt werden können. Hierzu zählt auch die Möglichkeit zur Durchführung von Auslandsemestern.

Studiengang nach Außen
Der Studiengang steht in enger Kooperation mit den anderen Hochschulen am Standort und zeigt sich dadurch als klarer Förderer der interdisziplinären Zusammenarbeit von verschiedenen, an der Erhaltung von Kunst- und Kulturgut beteiligten Fachdisziplinen. Weiterhin begreift sich der Studiengang auch als Plattform für den fachlichen Austausch mit externen Kollegen und Wissenschaftlern in Form von gemeinsamen Seminaren, Kolloquien und Tagungen. Der persönliche Kontakt unter den verschiedenen Verantwortlichen wird groß geschrieben.

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Ulm / Pauluskirche / Adolf Hölzel: ‘‘Der Gekreuzigte‘‘ (1910) (Foto: R. Lenz)