11111 Wandmalereien in der Siechenkapelle in Geislingen - KONSERVIERUNG UND RESTAURIERUNG VON WANDMALEREI, ARCHITEKTUROBERFLÄCHE UND STEINPOLYCHROMIE

Wandmalereien in der Siechenkapelle in Geislingen

Das Objekt

Die Siechenkapelle datiert in das 15. Jh. und gehörte ursprünglich zu einer Siechenhausanlage. Heute ist nur noch das Langhaus der Siechenkapelle selbst erhalten. Hierbei handelt es sich um einen längsrechteckigen Saalbau. Der Außenbau ist steinsichtig aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderungen und Tür- und Fenstergewänden aus Kalktuffwerksteinen. Der Innenraum wird geprägt von den vier Wänden an denen unterschiedliche Bau- und Gestaltungsphasen ablesbar sind und einem offenen Dachstuhl. An Nord- und Ostwand sind fragmentarisch Wandmalereien erhalten. An der Nordwand ist ein Passionszyklus in zwei Registern und an der Ostwand, dem ehemaligen Chorbogen, ein Weltgericht dargestellt.

Ziel und Aufgabenstellung

Die Studierenden des Grundstudiums (2.-6. Semester) erfassten und dokumentierten systematisch Bestand und Schäden. Schwerpunkt lag auf der Klärung der Abfolge der unterschiedlichen Gestaltungsphasen und dem Untersuchen der Maltechnik der Wandmalereien. Die Dokumentation erfolgte in Text, Bildern und Kartierungsplänen. Die Studierenden des 6. Semesters hatten zusätzlich die Aufgabe ein Konservierungs- und Restaurierungskonzept zu entwickeln.

Die Studierenden des 8. Semesters setzten sich hingegen mit der besonderen Salzproblematik in der Siechenkapelle auseinander und verbanden diese mit einer theoretischen Semesterarbeit über Salzminderung mittels Kompressenverfahren.

Ergebnisse

Es war möglich vier Gestaltungsphasen in der Siechenkapelle zu unterscheiden und in eine chronologische Abfolge zu bringen. Die erste Phase, nach Fertigstellung des Bauwerkes, zeigte das Bruchsteinmauerwerk mit runden Putzscheiben, bemalt mit Weihekreuzen. In der zweiten Phase waren die Wände dann vollflächig verputzt und weiß getüncht. Es erfolgten mehrfache Tünchungen Auf den unterschiedlichen Tüncheebenen findet sich eine Vielzahl unterschiedlicher Rötelzeichnungen aus dieser Zeit. Die hochwertigste Ausstattung erfuhr die Siechenkapelle in der dritten Phase mit Wandmalereien an Nord- und Ostwand des Langhauses (Passionszyklus und Weltgericht). In der vierten Phase war der Raum wieder weiß getüncht mit einer grauen Quadermalerei um das Spitzbogenfenster in der Südwand und einer gemalten Supra-Porta über der Eingangstür. Bei den Wandmalereien an Nord- und Ostwand handelt es sich um eine à secco ausgeführte Malerei. Eine maltechnische Besonderheit stellen die violetten Farbbereiche dar, sie sind mit dem Pigment Fluorit gemalt  Bei dem erarbeiten Konservierungs- und Präsentationskonzept kam die Wahrung aller in der Kapelle auffindbaren Fassungen und Veränderungen maßgeblich zum Tragen.

Schadenskartierung an der Ostwand

Projektpartner:

  • LAD BW, Ref. 83, Restaurierung der Bau- und Kunstdenkmalpflege, Dr. Dipl.-Rest. D. Jakobs
  • Stadt Geislingen, Bauverwaltung, P. Lecjaks

Bearbeitung:

  • Studierende des 2., 4., 6. und 8. Semesters

Betreuung:

  • Prof. Dipl.-Rest. R. Lenz und Dipl.-Rest. J. Roth