11111 Römische Wandmalereifragmente aus der Thermenanlage um die Pelagiuskirche in Rottweil - KONSERVIERUNG UND RESTAURIERUNG VON WANDMALEREI, ARCHITEKTUROBERFLÄCHE UND STEINPOLYCHROMIE

Römische Wandmalereifragmente aus der Thermenanlage um die Pelagiuskirche in Rottweil

Projekt:

  • Bergung archäologischer Wandmalereifunde
  • Untersuchung der Maltechnik
  • Entwicklung eines Konservierungskonzeptes

Abb. 2: : Dokumentation der Bergungssituation (Foto: J. Roth)

Objekt: Von der ehemals großzügig angelegten Badeanlage, welche noch bis ins 3. Jahrhundert in Benutzung war, ist noch der Boden des Badebeckens mit ca. 40 cm aufgehendem Mauerwerk in situ erhalten. In diesem Becken befand sich eine Auffüllung mit den bemalten Putzen des aufgehenden Mauerwerks. Wahrscheinlich wurde in einer baulichen Veränderung der Raum abgebrochen und die Abbruchmaterialien zur Verfüllung des Beckens genutzt. Als unterstes wurde das Becken mit den bemalten Putzen verfüllt, darauf lagen die Tubuli der Wandtemperierung und zuoberst das Mauerwerk. Die Bergung von Mauerwerk und Tubuli erfolgte durch die Archäologen.

Abb.1: Folienkartierung 1:1 (Foto: J. Roth)

 

 

 

Die Studierenden des 2. und 4. Semesters erprobten Methoden zur Bergung von Wandmalereien. Ziel war es, die Fragmente mit Malereioberfläche zu bergen. Bestehende Zusammenhänge zwischen Fragmenten sollten erhalten bleiben. Es sollte bei der Bergung keine Substanz, etwa zur Festigung, eingebracht werden, die das, noch originale unbehandelte, römische Mörtelgefüge vor einer Untersuchung verändert. Eine weitere Aufgabe bestand darin, die Bergung und die geborgen Fragmente so zu dokumentieren, dass bei späterer Bearbeitung diese Dokumentation  die  angegetroffenen Fragment-zusammenhänge wiederspiegelt und es erleichtert Bezüge zwischen übereinander gelagerten Fragmenten herzustellen.

Durchführung

Abb.3: Kartierung und Nummerierungder geborgenen Fragmente (Foto: Studiengang)

Während der Bergung erfolgte eine dreistufige Dokumentation. Als erstes wurden die Fragmente 1:1 auf Folien kartiert (Abb. 1). Als zweites wurde die Bergungssituation regelmäßig in unterschied-lichen Bergungsebenen fotografisch dokumentiert und übereinander gelegt (Abb. 2). Der dritte Schritt bestand dann darin, die geborgenen Fragmentkomplexe systematisch durchzunumme-rieren und auf den entzerrten Bildgrundlagen zu kartieren (Abb. 3). Einzelne kleinere Fragment wurden so eingesammelt. Größere Fragmentkomplexe wurden zunächst mit Pinseln und Feinwerkzeugen von lose aufliegendem Staub, Erde und Mörtelanhaftungen gereinigt. Bereiche zwischen und um Fragmente einer Ebene wurden anschließend mit Sand abgedeckt, um keine Fragmente aus einer darunterliegenden Ebene herauszureißen (Abb. 4). Dann wurde eine temporäre Kaschierung aus Cyclododecan, stabilisiert mit Mullbinden aufgebracht (Abb. 5). Dies galt gleichermaßen für Fragmente, die mit der Oberfläche nach oben lagen, als auch für solche, die mit der Oberfläche nach unten lagen. Auf große Fragmentzusammenhänge wurde über dem Cyclododecan, welches als temporäre Trennschicht dient, eine harte Schale aus PU-Schaum aufgebaut (Abb. 6). An der harten Schale konnte dann der jeweilige Fragmentkomplex im Zusammenhang abgehoben und geborgen werden (Abb. 7).

Abb. 4: Fragmentzwischenräume mit Sand gefüllt (Foto: J. Roth)

Abb. 5: Kaschierung des Fragmentes (Foto: J. Roth)

 

 

 

 

 

 

 

Abb.6: Aufbau einer PU-Schale (Foto: J. Jacob)

Abb. 7: Bergung eines Fragmentkomplexes (Foto: J. Roth)

 

 

 

 

 

 

 

Untersuchung der Maltechnik

Studierende des 3. Semesters untersuchten die Maltechnik und das Dekorationssystem. Das Dekorationssystem des Raumes sollte schematisch erfasst werden. Die Untersuchung der Maltechnik erfolgte mikroskopisch an Dünnschliffen und Querschliffen. Wahrscheinlich sind alle Fragmente einem Raum zugehörig, mutmaßlich, dem Raum um das Badebecken, zu dessen Verfüllung sie genutzt worden sind. Bei der Ausmalung dieses Raumes handelt es sich um ein rein graphisches Dekorationssystem. Figürliche Malerei gibt es nicht. Es gibt große weiße Flächen die durch aufgesetzte lineare Malerei in den Farben Rot, Hellrot, Braun und Gelb gegliedert werden. Auffällig ist, dass die rote Farbigkeit zumeist mit Außenkanten und damit Laibungen in Verbindung steht. Sie verläuft als ca. 8-10 cm breite Fläche parallel zu den Laibungen auch um die Ecke herum. Im Anschluss erfolgt ein ca. 10-12cm breiter Streifen in Hellrot, der dann auf der weißen Fläche endet (Abb. 8). Teilweise werden die beiden Farbflächen Rot und Hellrot durch eine weiße teils ausgesparte, teils aufgesetzte Linie (ca. 0,3 – 0,5 cm) voneinander getrennt. Eine weiteres Gliederungselement sind verschieden breite, braune Linien, die zumeist in der parallel verlaufenden Doppelung einer breiteren und einer schmaleren Linie auftreten. Allerdings gibt es auch ein Fragment auf dem die braune Linie einen rechten Winkel ausbildet, was für eine weitergehende geometrische Gliederung sprechen würde (Abb. 9). Ein direkter Bezug zwischen den braunen Linien und dem roten Gliederungssystem entlang von Laibungen konnte bis dato nicht hergestellt werden. Außerdem gibt es geschwungene, gelbe Linien, die wohl einem Ornament zuzuordnen sind (Abb. 10).

Abb. 8a: Anschliff des Mörtels (Fotot: J. Jacob)

Der Mörtelaufbau ist mehrschichtig. Der Grundputz besteht aus Kalk mit Ziegelgries und Ziegelmehl als Zuschlag. Dann erfolgte ein zweischichtiger Putzaufbau mit einem Kalkmörtel mit groben carbonatischen Zuschlägen. Auf diesen Mörtelaufbau folgt eine weiße, kalkgebundene Glättschicht, die als Hintergrundfarbigkeit der Dekorationsmalerei dient. Die Oberfläche ist eben und gut geglättet aber nicht poliert. Die Malerei ist weitgehend freskal eingebunden (Abb. 11 a, b, c).

Abb. 8b: Dünschliff, einfach polarisiert (Foto: R. Lenz)

Abb. 8c: Dünschliff, gekreuzt polarisiert (Foto: R. Lenz)

 

 

 

 

 

 

Abb. 9: Fragmente gelagert (Foto: J.Roth)

Entwicklung eines Konzeptes

Die Studierenden des 5. Semesters sollten eine Prüfreihe entwickeln, durchführen und auswerten. Zu erproben war ein geeignetes Konsolidierungsmittel für die Fragmente und eine Methode zur Verklebung von Fragmenten. Die Konservierungsmaßnahmen, die an den Fragmenten in der Werkstatt des Studienganges durchgeführt wurden erfolgten stufenweise. Als präventive Maßnahme wurden die Fragmente alle im Sandbett gelagert (Abb. 12). Je nach Größe der Fragmente erfolgte die Lagerung in kleineren Schalen oder direkt in Holzkisten. Fragmente, bei denen eine solche Lagerung nach Entfernen der Kaschierung nicht möglich war, ohne, dass diese weiter zerbrochen wären, wurden beim Entfernen der temporären Sicherung gefestigt und in Kompartimenten miteinander verklebt. Ein größerer Fragmentzusammenhang wurde auf eine Platte montiert (Abb. 10).

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Abb. 10: montierte Fragmente (Foto: J. Roth)

Ausblick

Die Fragmente konnten im Herbst 2011 in das Fundarchiv des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg überführt werden.

Projektpartner:

LAD BW, Ref. 84, Archäol. Rest., Dipl.-Rest. N.  Ebinger-Rist
Dipl.-Rest. A. Brodbeck
H. Hangleiter, Restaurator

Bearbeitung:
Studierende des 2. und 4. Semesters
Studierende des 3. Und 5. Semesters

Betreuung:
Prof. Dipl.-Rest. R. Lenz und Dipl.-Rest. J. Roth