11111 Die Wand- und Gewölbemalereien der Sylvesterkapelle im Münster Konstanz - KONSERVIERUNG UND RESTAURIERUNG VON WANDMALEREI, ARCHITEKTUROBERFLÄCHE UND STEINPOLYCHROMIE

Die Wand- und Gewölbemalereien der Sylvesterkapelle im Münster Konstanz

Literatur:

Roth, Janina: „Die Ausmalung der Sylvesterkapelle – ein restaurierungswissenschaftlicher Beitrag“, in:  Laule, Ulrike (Hg.) „Das Konstanzer Münster Unserer Lieben Frau – 1000 Jahre Kathedrale  – 200 Jahre Pfarrkirche“, 2013, S. 339-345.

Roth, Janina: „1584 roh überschmiert“ ? – Die Wand- und Gewölbemalereien der Sylvesterkapelle im Münster zu Konstanz, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg – Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege, 40. Jg., 4/2011, S. 222-228. → PDF

Zusammenfassung

Die Wand- und Gewölbemalereien in der Sylvesterkapelle des Münsters Unserer Lieben Frau zu Konstanz sind in zwei inschriftlich datierten Ausmalungsphasen entstanden. Die Erstausmalung erfolgte 1472. 1584 wurden die Wandmalereien nach den alten Bildinhalten und Formen vollflächig übermalt. Im Gewölbe befindet sich eine grüngrundige Rankenmalerei. Die Wände zeigen einen Passionszyklus, das Jüngste Gericht, den Hl. Sylvester und Maria Magdalena.

Die Übermalung oder Neumalung ist eine eigenwertige Ausmalung, die in Maltechnik und Malschichtaufbau der Tafelmalerei ihrer Zeit sehr nahe steht. Die Befunduntersuchung zeigte, dass die Wandmalereien (1472 und 1584) im Kontext einer Raumgestaltung mit der Gewölbemalerei und einer Vorhangmalerei auf den Sockelzonen standen. Der Raumkontext ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Die Vorhangmalerei von 1584 konnte schematisch rekonstruiert werden. Die letzte Restaurierung der 1960er Jahre hat einen neuen Raumkontext mit Graufassung der Sockelzonen und grauer Überlasierung der Gewölbeflächen geschaffen.

Die blauen Malereibereiche der Ausmalung von 1584 sind mit Smalte gemalt. Die Smaltemalschicht ist heute vollständig vergraut. Aufgrund der Vergrauung wurden in der letzten Restaurierung viele Gewänder auf die blaue Azuritmalschicht von 1472 freigelegt.

Aus der Übermalung einer wässrig gebunden und teilweise unterbundenen Temperamalerei mit einer öligen Tempera ergibt sich die Hauptschadensproblematik. Im Westjoch werden die Schäden noch durch klimatische Einflüsse verstärkt. Für die Schichtentrennung und Abhebung der Malschicht wurden Konservierungsvorschläge entwickelt. Zweites Kernthema des entwickelten Konzeptes war die Reinigung der Wandmalereioberflächen und der Umgang mit den kaseingebundenen Retuschen.

 

Abstract

The wall- and vault paintings in the Saint Sylvester chapel of the cathedral in Konstanz “Unserer Lieben Frau” were created in two painting phases which are dated through inscriptions. The initial painting took place in the year 1472. The entire wall paintings were over painted in 1584 following the 100 year old painting subjects and shapes exactly. A painting of tendrils is located in the vault on a green background. The walls display a cycle of passion, the last judgement, the Saint Sylvester and Maria Magdalena.

The repainted paintings are of discrete value. They can be associated with the con-temporary panel painting, as to the painting technique and the painting layer com-position. The examination of the findings demonstrated that the wall paintings (from 1472 and 1584) can be related to the whole room arrangement including its vault paintings and a painting of drapes which was located on the base area of the walls. Over the years the room context got lost. The painting of drapes from 1584 was able to be reconstructed schematically. The final restoration in the 1960th formed a new room context with a grey setting of the base areas and a grey glaze over the vault surfaces.

The blue painting areas from 1584th are painted with smalt. Now days the smalt layers are completely turned into grey. Because of the discolouration various robes were exposed on the blue painting layer of azurite from 1472.

The major damage difficulty evolves from the repainting of an aqueous and partially weakly bonded tempera with an oily tempera. The climate in the west bay of the chapel amplifies the influence of the damages. Preservation suggestions in favour of the layer separation and the withdrawal of the painting layer were developed in a preservation concept. Another main issue of the concept is the cleaning of the surface area of the wall paintings and the acquaintance with casein bonded retouches.

 

Erstbetreuer: Prof. Dipl.-Rest. R. Lenz
Zweitbetreuer: Prof. Dr. Ch. Krekel

Landesdenkmalpflege: Dr. Dipl.-Rest. D. Jakobs, Dr. D. Zimdars, F. Mienhardt

Auftraggeber: VB-BW, Amt Konstanz, Dipl.-Ing. A. Arnold

Verfasserin: Janina Roth

August 2009

Kontaktadresse: j.roth@abk-stuttgart.de