11111 Das Altarbild der Peter-und-Paulus-Kapelle im Freiburger Münster Unserer Lieben Frau - KONSERVIERUNG UND RESTAURIERUNG VON WANDMALEREI, ARCHITEKTUROBERFLÄCHE UND STEINPOLYCHROMIE

Das Altarbild der Peter-und-Paulus-Kapelle im Freiburger Münster Unserer Lieben Frau

Zustandserfassung mit maltechnischer Untersuchung und Konzepterstellung, zur Konservierung und Präsentation

Die Peter-und-Paulus-Kapelle befindet sich im Querhaus an der Nordseite des Freiburger Münsters. Das Querschiff mit den darin vorhandenen Kapellen gehört zu den ältesten noch erhaltenen, spätromanischen Bauteilen des Münsters. An der Ostwand der kleinen Kapelle ist eine in Resten erhaltene Wandmalerei zu sehen, die die Kreuzigung Christi darstellt. Diese wird von Stopfel/Mittmann in „Das Freiburger Münster“ als wertvollste Wandmalerei des Münsters bezeichnet. Im Rahmen der Diplomarbeit wurde der Zustand der Wandmalerei erfasst. Im Besonderen wurde die Maltechnik untersucht. Unter anderem erfolgte eine Eruierung der Malereioberfläche mittels UV-Licht, wobei aussagekräftige Ausschnitte fotografisch dokumentiert wurden. Desweiteren wurden vorhandene Unterlagen zur Restaurierungsgeschichte aufgearbeitet und der relativ große Bildbestand ausgewertet. Aus den gewonnenen Erkenntnissen wurde ein Konzept zur Konservierung und Restaurierung erstellt und Überlegungen zur Präsentation der Wandmalerei vorgenommen um sie für Besucher erfahrbar zu machen.

Abb. 1: Bei der Eruierung der Malschichtoberfläche mittels UV-Anregung konnte eine deutliche Lumineszenz, v.a. der Inkarnate und der Gewänder festgestellt werden.

Die Wandmalerei wurde als Altarbild der Peter- und Paulus- Kapelle geschaffen. Mit höchster Wahrscheinlichkeit geschah dies unmittelbar nach dem Anbau der Kapelle in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die Wahrnehmung der Wandmalereireste als fragmentarisch, ergibt sich durch den relativ großen Fehlbereich in der oberen linken Ecke und dem stark reduzierten unteren Malereibereich. Die Kreuzigungsdarstellung wurde als Tempera-gebundene Wandmalerei ausgeführt. Trotz der teilweise stark reduzierten Partien ist die ursprüngliche Versiertheit mit der die Malerei angefertigt wurde am jetzigen Zustand deutlich zu erkennen.
Als Malgrund wurde in zwei Durchgängen eine Kalkschlämme aufgetragen. Darauf folgte der Auftrag einer mit rotem Ocker versetzten Imprimitur, die durch den heutigen reduzierten Zustand in vielen Bereichen, vor allem den blauen Rücklagen, als bräunliche Flecken in Erscheinung tritt. Bereiche mit Inkarnat sind vor allem auf der linken Malereiseite in einem relativ guten Zustand. In diesen Bereichen wird eine rote, mit Bleimennige ausgeführte Unterzeichnung durch die Ausbrüche der darüber liegenden Malerei deutlich. Eine weitere Besonderheit stellen die plastischen Nimben dar. Als Blau-Pigment wurde durchgängig Azurit verwendet. Sowohl in den Rücklagen, als auch in den blauen Gewändern. Der Farbaufbau erfolgte in Teilbereichen in mehreren Schichten. Die blauen Rücklagen weisen eine gräuliche Untermalung auf, während die figürlichen Bereiche öfters mit Bleiweiß untermalt wurden. Die häufige Verwendung von Bleiweiß, aber auch die Ausmischung der Farbtöne mit einem roten Farblack, scheinen der Grund für die deutlichen Lumineszenzen bei der Fluoreszenz-Untersuchung zu sein.
Im Zeitraum zwischen 1911 bis 1978 konnten drei Restaurierungsphasen belegt werden. Durch die Auswertung des vorhandenen Bildmaterials konnten viele Untersuchungserkenntnisse nochmal bekräftigt und teilweise sogar zeitlich eingeordnet werden.
Freilegespuren und rötliche Malschichtschollen lassen darauf schließen, dass eine Überfassung des oberen Malereibereichs in einem rötlichen Steinton stattfand. Anhand historischer Aufnahmen von 1911 ist zu erkennen, dass die Steinfassung in diesem Bereich desweiteren aufgesetzte Fugen aufwies. Diese Überfassung der Wandmalerei konnte nur im oberen Bildbereich nachgewiesen werden, somit ist davon auszugehen, dass diese partiell beschränkt war.

Abb. 2: Deutlich erkennbare Plastizität der vergoldeten Nimben bei der Untersuchung der Malereioberfläche mit Streiflicht.

Abb. 3: Durch Malschichtausbrüche in den Konturbereichen wird die rote Unterzeichnung sichtbar.

 

 

 

 

 

 

 

Erstbetreuer: Prof. Dipl. -Rest. R. Lenz
Zweitbetreuer: Dipl. -Rest. J. Roth
Praxisbetreuer: E. Grether (Restaurator)

Landesdenkmalpflege: Dipl.-Rest. A. Menrad, Dr. D. Zimdars

Auftraggeber: Erzb. Bauamt Freiburg, A. Bauhofer

Verfasserin: Maria Prochniak

August 2012

Kontakt: Maria.Prochniak@gmx.de